Sie sind hier:  Schweiz  »  Blog
 
 
 
 
Ricos Golf Blog
 Rico Brazerol ist Chefredaktor des Golfmagazins "Golfers Only"

Mittwoch, 26. September 2012 - 07:53 Uhr
Der plötzliche Sieger

Der Gewinner des KLM Open in Hilversum heisst Peter Hanson. Der Schwede lochte an der 18 aus rund fünf Metern zum Eagle ein und gewann mit 14 unter Par und zwei Zählern Vorsprung seinen fünften Titel auf der European Tour. Das ist die nüchterne, sportliche Seite.

Jetzt zur Geschichte hinter der Geschichte. In der Nacht auf Samstag musste Hansons anderthalbjähriger Sohn Tim notfallmässig ins Spital gebracht werden. Diagnose: schwere Atemwegserkrankung.

Während der dritten Runde sah man den 35-Jährigen mehr mit dem Handy als mit dem Golfschläger... «Ich habe quasi minütlich am Telefon gehangen und Updates von meiner Frau bekommen.» Er hatte von den verständnisvollen Offiziellen eine Ausnahmegenehmigung erhalten.

Ob ihn nun die schwierige Situa-tion um seinen Sohn beflügelt oder
einfach nur abgelenkt hat – wer weiss das schon? Sein Kommentar: «Natürlich habe ich nicht viel geschlafen, und selbstverständlich war ich in Gedanken viel bei Tim. Als Vater will man natürlich vor Ort sein. Aber alle haben mir glaubhaft versichert, dass ich nichts machen könne.»

So hat die Nummer 7 der European Tour einfach das Turnier gewonnen…

Mittwoch, 29. August 2012 - 13:00 Uhr
Manchmal wünschte ich mir mehr Augenmass

Es passiert in letzter Zeit immer öfters. Ein Mitspieler oder eine Mitspielerin packt unterwegs den Distanzmesser aus. Zuerst wird diskutiert, dann wird das Gerät wieder sorgfältig verpackt. Ein Schlag, ein Schrei – und der Ball liegt rechts im Out. Oder so…

Macht ein Distanzmesser für durchschnittliche und höhere Handicapper überhaupt Sinn? Ich will ja niemandem zu nahe treten, aber ich behaupte mal, dass der durchschnittliche Golfer eh nicht in der Lage ist, den Ball auf zwei, drei Meter genau zu spielen. So spielt es auch keine zentrale Rolle, ob das Green jetzt 163 oder 169 Meter entfernt ist. Das Motto lautet meist: Triff zuerst einmal das verdammte Green…

Der Distanzmesser ist im Training ein idealer Begleiter, um die eigenen Distanzen genauer abschätzen und kennen lernen zu können. Auf dem Platz sollte er aber nur ganz gezielt eingesetzt werden. Zumal sein Einsatz das Spiel in der Regel nicht schneller macht.

Geradezu lächerlich und nervig wird es, wenn nach jedem 30-Meter-Hupfer das Gerät ausgepackt wird… Habe ich übrigens schon diverse Male erlebt. Hier könnte mehr Augenmass – im wahrsten Sinne des Wortes – allen Beteiligten etwas bringen.

Dienstag, 24. Juli 2012 - 09:27 Uhr
Der Mann, der eine 55 spielte

Es gibt Leute, die träumen von einem Hole in one. Dann gibt es Leute, die träumen von einem Single-Handicap. Und dann gibt es Leute, die spielen einfach Golf – und erleben Sachen, die man sich kaum zu träumen wagt. So geschehen bei einem bis anhin unbekannten Pro.

Doch zuerst eine kleine Quizfrage: Wer hat die bisher niedrigste Runde in der Geschichte des Golfsports gespielt? Luke Donald? Tiger Woods? Oder war es doch Arnold Palmer? Oder ist es noch länger her? Bobby Jones vielleicht? Keiner von allen.

Ich mache fast jede Wette, dass Sie diesen Namen noch nie zuvor gehört haben. Das Kunststück, eine 55er-Runde (!) zu spielen, schaffte ein Australier mit dem etwas ungewöhnlichen Namen Rhein Gibson.

Als er auf dem zweiten Loch auf dem River Oaks Golfclub in Oklahoma (USA) einen Eagle spielte, hatte er noch keine Ahnung, was ihm an diesem denkwürdigen Tag alles noch gelingen würde. Denn was in den nächsten Stunden passierte, grenzt schon fast an ein Golf-Wunder. Es ist die eine perfekte Runde, von der alle Golfer dieser Welt träumen.

Am Ende standen 2 Eagles, 12 Birdies und 4 Pars auf seiner Scorekarte. Diese unglaubliche 55er-Runde auf dem sechs Kilometer langen Par-71- Platz bedeutet neuen Weltrekord.

Der 26-Jährige, sonst nie um einen flotten Spruch verlegen, war danach zuerst einmal sprachlos: «Ich bin heissgelaufen und jeder Putt fiel. Besser kann ich es nicht erklären.» Gibson spielt noch auf der Golfweek National Pro Tour, aber vielleicht wird man bald mehr von ihm hören...

Montag, 4. Juni 2012 - 19:55 Uhr
Els und die etwas andere Tour

Er ist dreifacher Major-Sieger und Multimillionär. Der letzte seiner insgesamt 64 Siege liegt bereits zwei Jahre zurück – und von den Top 10 ist der mittlerweile 43-Jährige ziemlich weit entfernt: Ernie Els.
Das könnte daran liegen, dass der Südafrikaner seine Prioritäten auf eine andere Tour gelegt hat. Diese Tour umfasst 30 lokale Turniere in den USA, Kanada und England – plus ein Finale am 19. und 20. Oktober in Las Vegas. Geld ist dabei keines zu verdienen. Im Gegenteil: Normalsterbliche müssen sehr gut Golf spielen, damit sie sich fürs Finale qualifizieren – oder sie müssen mindestens 10'000 Dollar locker machen.
Die Tour heisst «Els for Autism Golf Challenge». Damit sammelt «the Big Easy» Geld für seine Stiftung, die sich um autistische Kinder kümmert. Hintergrund: Ben, der achtjährige Sohn von Ernie und seiner Frau Liezl, ist selber Autist.
Schon längst steht Ben und nicht mehr der Golfsport im Mittelpunkt der Familie. Els: «Ben ist es egal, wie unsere Bankkonten aussehen. Ihm ist es egal, wie viele Kameras ihm ins Gesicht blitzen. Eigentlich ist er da, um den Rest der Familie auf den Boden der Realität zurückzuholen.»
Darum haben Ernie und Liezl noch ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollen das «Els Center of Excellence» für autistische Kinder errichten. Ein Projekt, das 30 Millionen kosten wird. Mit der Challenge 2012 sollen dafür 2,5 Mio. Dollar gesammelt werden.

Ältere Beiträge

Anmelden